Weblinks Kongreßbuch Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie 2007
2.6 Christoph Hübener
Einbeziehung von Ausdauersportarten in die ambulante Psychotherapie
Seite 216
Ich glaube daran, dass es noch eine weitere Methode gibt, psychische Prozesse
über Körperbewegungen zu beeinflussen. Ich möchte diese Methode »ausdauernde
rhythmische Bewegungen« nennen. In den bisher vorliegenden Veröffentlichungen
wird zwar erörtert, dass Bewegung auch psychische Auswirkungen hat. Jedoch
wird meist darauf abgestellt, dass der Erfolg der Bewegung psychische Korrelate
hervorruft. Der Aspekt des Rhythmus wird in den mir vorliegenden Veröffentlichungen
nicht mit bedacht. Ich möchte zu bedenken geben, dass Rhythmus ab der ersten
Zellteilung unser Leben begleitet. Alle Erfahrungen, die wir im Leben machten
und machen, sind mit Rhythmus verbunden; spätestens mit Beginn unseres Herzschlages.
Ich vermute, dass unsere psychischen Verarbeitungsprozesse auch rhythmische
Prozesse sind. Geraten sie aus dem Rhythmus werden wir krank. In dem wir
unseren Körper in lang andauernde rhythmische Bewegung bringen, helfen wir
unsere psychischen Prozesse wieder in einen Rhythmus zu kommen. Wir können
diesen Vorgang auch über den Begriff der Struktur verstehen. Wir sprechen
in der Nomenklatur psychischer Erkrankungen von Strukturstörungen. Jedem
praktizierenden Psychotherapeuten wird die teilweise hochgradige Unstrukturiertheit
oder Überstrukturiertheit ihrer Patienten bekannt sein. Geben wir nun dem
Körper eine lang andauernde sich immer wiederholende Bewegungsstruktur, hilft
diese Struktur der Psyche, eine »normale« Struktur zu finden. Ausdauersport
ist als lang andauernde, sich ständig wiederholende Bewegung geringer Komplexität
zu verstehen. Es ist zu vermuten, dass dabei laufende psychische Prozesse
an Komplexität verlieren und sich auf das Wesentliche beschränken. Weiterhin
ist zu vermuten, dass der Wechsel der Bewegung – linke Körperseite/rechte
Körperseite – wie beim EMDR die Hirnhemisphären verbindet (Rationalität/Emotionalität).
Ich stelle mir Psyche und Körper höchstens durch eine schwingungsfähige Membran
getrennt vor, wobei beide Seiten untrennbar die Schwingungen/Rhythmen der
anderen Seite mitmachen. Jeder Segler kennt dieses Prinzip der Bewegung zwischen
dem Wasser und dem Boot bzw. zwischen dem Boot und dem Wasser. An dieser
Stelle ist es ganz wichtig, beide Richtungen zu nennen. Nur dies wird dem
angedachten Prozess zumindest ansatzweise gerecht. In den eben benutzten
Bildern besteht noch eine Trennung. Ich denke, Psyche und Körper durchdringen
sich gegenseitig dreidimensional.

Bild 3: Wege der Gesundung



