Dipl.-Psych.
Irina Vogt und Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ralf Vogt aus Leipzig
sind in Deutschland bekannte körperorientierte Psychotraumatologen, die
seit vielen Jahren mit ihren psychoanalytisch handlungsaktiven Einzel- und
Gruppentherapiekonzepten (SPIM-20-KT) Beachtung finden. Durch originelle
Konzepte der Externalisierung von innerpsychischen Problematiken in äußerlich
sichtbaren Symbolisierungsformen (beseelbare Therapiemedien) und interaktive
Handlungsinzenierungen haben sie neue Wege einer strukturierten Psychotherapie
beschritten, die in dem schwierigem Feld der Psychotraumatologie eine wissenschaftliche
und praktische Innovation ermöglicht haben. Irina Vogt ist Tiefenpsychologin
und Spezialistin für hochdissoziative PsychotraumapatientInnen. Ralf Vogt
ist Psychoanalytiker, Familien- und Körperpsychotherapeut und Spezialist
für das manualisierte Vorgehen bei der Behandlung von Komplextraumatisierungen.
Abstracts:
Prä-Workshop (Irina und Ralf Vogt):
Das Behandlungskonzept für komplextraumatisierte, dissoziative Störungen (SPIM-20-KT) und die Bewältigung von Ekel und Scham
Zunächst wird im Workshop ein Überblick zur Struktur des Behandlungsmodells SPIM-20-KT gegeben, welches einzel- und gruppentherapeutische Vorgehensweisen kombiniert. Die Teilnehmer erhalten in diesem Zusammenhang die Möglichkeit leichte Übungen der Psychoedukations- und Stabilisierungsphase dieses Stufenprogramms auszuprobieren. Danach wird eine praktische Ableitung für die besonderen Behandlungsthemen Ekel und Scham im Rahmen der Therapie von komplextraumatisierten, dissoziativen PatientInnen gegeben, indem Fallvignetten illustrierend erläutert werden. Trauma- und körperorientierte Settings zur Bewältigung dieser Grundgefühle werden im Anschluß demonstriert und leichte Settings nach dem aktiven Gestalten der Workshopleiter vor der Gruppe allen TeilnehmerInnen zur Nachahmung angeboten. Videobeispiele unterstützen die anschauliche Struktur des Workshops, weil sie die Nützlichkeit des sowohl analytischen wie verhaltenstherapeutischen Vorgehens unterstreichen und über Einzelfallbeispiele Probleme und Lösungen in spezifischen Therapiesituationen zur gemeinsamen Diskussion stellen.
Vortrag Irina Vogt:
Der rote Faden dieses Hauptvortrages wird beim
Rahmenthema Ekel durch eine Einzelfallanalyse bzw. Behandlungsvignetten aus
der Einzel- und Gruppenpsychotherapie von komplextraumatisierten Patienten
gehalten. Dabei kommen zunächst kurze anamnestische und traumavorfallsbezogene
Kontexte der Klienten zu Gehör, welche die Entstehung von massiven Ekelgefühlen
maßgeblich nach dem Erleben der Patienten hervorgerufen bzw. den Prozess
der innerpsychischen Einprägung über lange Zeit mit bewirkt haben könnten.
Wichtig ist dabei, dass verbale Äußerungen und Verhaltensweisen von komplextraumatisierten
PatientInnen zu Beginn der Behandlung, wo die Ekelerfahrungen zum großen
Teil noch unbewusst bzw. in diffuser Phänomenologie existierten von den verbalen
und verhaltensseitigen Interaktionen in der fortgeschrittenen Psychotherapie
einfühlsam diagnostiziert und unterschiedlich bearbeitet werden.
Je nach dem klientenmöglichen Niveau der innerpsychischen Zuordnung kann
bzw. muss mit den individuellen interaktionellen Wahrnehmungsangeboten differenziert
gearbeitet werden. Feinsinnige Wahrnehmungen, Erinnerungen und Bedürfnisse
zur individuellen Bearbeitung von Ekelgefühlen gestalten die Therapiebeziehung
sowie insbesondere die Einrichtung von Psychotraumaexpositionssettings maßgeblich
mit.
Vortrag Ralf Vogt:
Im Hauptvortrag werden zunächst die theoretischen
Bezüge des körperpsychotherapeutischen Konzeptes innerhalb des SPIM-20_KT-Ansatzes
erläutert und die Verbidnung zur alltäglichen Behandlung von komplextraumatisierten
Patienten hergestellt.
Es zeigt sich in Einzelfallstudien sehr genau, dass das psychodynamische
Thema des interaktionell wahrgenommenen und verinnerlichten Ekelgefühls eine
zentrale Bedeutung bei der Entstehung von Opfer- und Täterübertragungen bzw.
Schädigungsintrojektionen besitzt.
Dieses wird gerade durch eine körperorientierte Therapie bei o. g. Psychotraumapatienten
schnell bewusst, was den sorgfältigen Aufbau von therapieförderlichen Wahrnehmungs-
und Handlungsstrukturen erfordert. Im Vortrag werden psychagogische, settingbezogene
und phasenbezogene Kriterien am Fallbeispiel erläutert wie mit diesen Komplikationen
in der Einzel- und Gruppenpsychotherapie respektvoll und zielgerichtet im
psychotherapeutischen Rahmen umgegangen werden kann. Ein Aspekt dieser Settinggestaltungen
ist der Einsatz von beseelbaren Therapieobjekten als Triangulator der therapeutischen
Beziehung bzw. Hilfsmittel der nachnährung bei der Ekelbearbeitung nach möglichen
Psychotraumaexpositionen. Hierzu werden neben therapeutischen Langzeiterfahrungen
auch Befragungserlebnisse von komplextraumatisierten Langzeitpatienten ausgewertet.
Bezugsliteratur:
Vogt, R. (2004): Beseelbare Therapieobjekte. Psychosozial-Verlag, Gießen; Vogt,
R. (2007): Psychotrauma, State, Setting. Psychosozial-Verlag, Gießen; Ralf
Vogt (Hrsg.): Körperpotenziale in der traumaorientierten Psychotherapie.
Psychosozial-Verlag, Gießen
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