Prof.
Dr. phil. Rainer Krause aus Saarbrücken. Psychologiestudium in Tübingen
und Zürich. Promotion und Habilitation mit empirischen Arbeiten zur Psychologie
kreativer Prozesse bei Kindern. Erforschung affektiver nonverbaler Prozesse
in den USA. (Ekman, Stern, Tomkins, Rosenthal, Siegman, Feldstein)
Psychoanalytische
Ausbildung an der schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Lehrstuhl
für klinische Psychologie und Psychotherapie Psychologisches Institut Saarbrücken.
Forschungen über unbewusste Beziehungsgestaltungen in der Psychotherapie.
Vorsitzender der Forschungskommission der deutschen psychoanalytischen Gesellschaft.
Wissenschaftlicher Sachverständiger des Psychotherapieausschusses des Bundesausschusses
zur Bewertung von Heilverfahren.
Abstract:
Der ekelige Körper in der Analyse
In einem ersten Teil werden die empirischen Befunde über die Funktion, Phylo- und Ontogenese der Ekelemotion berichtet. Ekel ist eine sehr häufige Emotion, deren Funktion der Schutz des Objekts vor Gift, Infektionen und als schädlich erlebten sozialen Unordnungen ist. Auslöser sind Geruchs- und Geschmacksmoleküle bis hin zu moralischen Überschreitungen. Die hirnphysiologischen Reaktionen sind unabhängig von Auslösern immer gleich. Introspektiv ist Ekel vor allem im interpersonellen Bereich und in unserer sehr egalitär definierten Kultur stark tabuiert. Ekel dient als zentrale Abwehrkonfiguration gegen sexuelle Strebungen und Leidenschaften. In einem zweiten Teil werden in einer Vignette diejenigen Anteile einer Langzeitbehandlung herauspräpariert, die als Inszenierungen einer Geruchs- und Körperwelt den Prozess von Übertragung und Gegenübertragung im Hier und Jetzt steuern. Diese Szenen werden als Bebilderung und Geruchsdarstellungen von sehr frühen Mutter-Kind-Erfahrungen verstanden, die über die Darstellung diskursfähig werden. Der Ausgang der Analysen wird dadurch entschieden, ob es möglich ist, affektiv komplementär auf die Ekelinszenierungen zu reagieren.
Bezugsliteratur: Krause, R. (2006). Emotionen, Gefühle, Affekte – Ihre Bedeutung für die seelische Regulierung. IN: Körper und Persönlichkeit (Remmel et al.Hrsg.) Schattauer Verlag, 22-44; Krause, R. (2006) Der ekelige Körper in der Analyse. Zeitschrift für Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Heft 129, 1, Frankfurt/Main: Brandes & Aspel Verlag, 75-91; Krause, R. (2006) Drive and affect in perverse actions. In: Identity, Gender and Sexuality, 150 Years after Freud (Eds. P.Fonagy, R.Krause, M.Leuzinger Bohleber) S.161-180, IPA, London.
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