// Exposé
KörperPotenziale in der Psychotherapie
Wirkstrukturen von Bindungen, Inszenierungen und Systemkontexten
Was wir mit dem Kongress zusammenführen wollen:
Seit Wilhelm Wundt 1879 in Leipzig das weltweit erste psychologische Institut für Psychologie gegründet hat und Sigmund Freud um 1900 die Psychoanalyse in Wien entwickelte befindet sich das hirnphysiologische Wissen und die psychotherapeutische Behandlungsmethodik im rasanten Entwicklungsprozess. Lange Zeit gingen Hirnphysiologen und Psychotherapeuten verschiedene Wege. Heute finden sie offenbar wieder über die neuen Erkenntnisse – besonders aus der modernen Säuglings- und Trauma- bzw. Dissoziations-forschung – wieder dort zusammen, wo die Seele ihre Heimat hat – im Körper.
Die Einbeziehung des Körpers und seiner unbewussten und bewussten Bewegungspotenziale galt lange Zeit als kaum theoriegeleitet lösbar, wenn man die Entwicklung des mainstreams der Psychoanalyse betrachtet.
Jetzt befindet sich die moderne Psychotherapie im kreativen und integrativen Umbruch. Die Zeit der Schulenkämpfe der Väter und Mütter der Psychotherapie – scheint in eine Epoche der Söhne und Töchter mit ganzheitlichen, integrativen und mehrdisziplinären Psychotherapiekonzepten in Therapiealltag und Forschung zu münden. Doch leichter werden die therapeutischen Probleme dadurch nur relativ. Sie werden vor allem anders: Der einbezogene Körper und die sich daraus ergebenden Settingänderungen verlangen flexiblere therapeutische Bindungsgestaltungen. Breitere Bindungs-vielfalt führt aber zu komplexeren Handlungsinszenierungen, die schwieriger zu interpretieren sind.
Durch die Erweiterung des Blickwinkels von klassischen Übertragungsstrukturen auf Introjektanteile der Klienten verändert sich der Bezugskontext des Therapeuten zur Behandlung einer psychischen Störung beträchtlich. Es werden dabei heutige und transgenerationale Störungssysteme hinterfragt und labilisiert. Auch Klienten reflektieren darüber nur bedingt über den so genannten „Symptomhorizont“ hinaus, obwohl es für die Entfaltung neuer Lösungsstrukturen notwendig ist, die komplexe individuell - familiäre und historisch – gewachsene Introjektverzahnung zu erschließen.
Im Symposium sollen bekannte Fachvertreter der theoretischen und praktischen Psychotherapie über den „gemeinsamen Forschungs- und Behandlungskörper” im engeren und weiteren Sinne zusammen kommen, um über diese Potenziale von Psychotherapie anhand von Konzepten und praktischen Beispielen mit Psychotherapeuten aller teilnehmenden Schulen aus Universitäten und Praxisniederlassungen ins Gespräch zu kommen.
Wichtig erscheint uns dabei nicht nur neue Forschungs-ergebnisse zu referieren und interessante Behandlungs-methoden zu demonstrieren, sondern auch gerade in die Tiefe zu fragen, weshalb etwas als Therapieprozess funktioniert oder nicht. Wie ist also die vermutete innerpsychische Wirkstruktur von Bindung und Inszenierung aus der Sicht des Therapeuten und durch Rückmeldung des Patienten und wie passen beide systemisch zusammen – oder zeitweise auch nicht?
Der Körper eröffnet dabei besonders neue Potenziale des tieferen Verständnisses von seelischem Leid, wofür er auch seine erlebbaren Lösungen braucht. Die Öffnung der Körper- und Interaktionsdimension provoziert aber auch neue Gefahren für Klient und Therapeut, auf die man mit Sachkenntnis eingestellt sein sollte. Schade, wäre es für uns als Fachleute, wenn wir wegen der Gefahren unsere gemeinsame Chance – auch im gesellschaftlichen Kontext - nicht nutzen würden.
Wir freuen uns auf gemeinsame und erkenntnisreiche Tage
mit Ihnen in Leipzig.












